Green Web Design: Server und Blatt als Symbol für nachhaltige Websites

Green Web Design: Warum eine schlanke Website auch dem Klima hilft

Öffnet mal die Netzwerk-Analyse im Browser, während eine x-beliebige Website lädt. Da rattert einiges: Skripte, Tracking-Pixel, ein Video, das autoplay startet, obwohl niemand danach gefragt hat. Man sieht davon nichts im Alltag – kein Auspuff, keine Stromrechnung, die einer einzelnen Website zugeordnet wird. Aber irgendwo steht ein Server, der dafür Strom zieht, egal ob in Bayreuth, Frankfurt oder Virginia.

Wer wissen will, wo die eigene Seite steht, muss nicht raten: Der Website Carbon Calculator gibt für jede URL in Sekunden eine Schätzung aus. Testet eure eigene Startseite, bevor ihr weiterlest – die Zahl, die dabei rauskommt, könnte interessant sein!

Wir haben uns angeschaut, was an Green Web Design tatsächlich messbar ist – und was eine gern zitierte, aber irreführende Zahl ist.

Ein Vergleich, der ständig auftaucht

Das Internet verursacht mehr CO2 als der gesamte Flugverkehr.“ Diesen Satz liest man seit Jahren in Vorträgen und Blogartikeln zum Thema. Erfunden ist er nicht. Benutzt wird er trotzdem fast immer falsch.

Der IT- und Telekommunikationssektor verursacht laut mehreren Studien zwischen 1,8 und 3,9 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen1. Der Flugverkehr liegt nach Angaben der Internationalen Energieagentur bei rund 2,5 Prozent [2]2. Die Größenordnung passt also ungefähr. Ericsson hat allerdings vorgerechnet, was in dem Vergleich fast immer unter den Tisch fällt: Rund 70 Prozent der Weltbevölkerung nutzen digitale Technologien, aber nur etwa 10 Prozent fliegen überhaupt jemals [3]3. Zwei Sektoren mit ähnlichem CO2-Ausstoß – aber mit einer Nutzerzahl, die um den Faktor sieben auseinanderliegt.

Das heißt freilich nicht, dass das Thema unwichtig wäre. Ein Sektor, den drei Viertel der Menschheit täglich nutzt, bleibt relevant, wie auch immer man ihn misst. Nur wird aus einer soliden Zahl eine Übertreibung, sobald sie ohne diesen Kontext zitiert wird.

Was sich an einer einzelnen Website messen lässt

Die globale Prozentzahl sagt wenig darüber, ob eure eigene Website nun schlank ist oder ein Klotz. Dafür hat sich ein Standard etabliert, das Sustainable Web Design Model, ursprünglich entwickelt von der Agentur Wholegrain Digital, mittlerweile gepflegt von der Green Web Foundation4. Es rechnet aus der übertragenen Datenmenge einer Seite eine CO2-Schätzung hoch, über Rechenzentrum, Netzwerk und Endgerät hinweg.

Der weltweite Durchschnitt: etwa 0,36 Gramm CO2-Äquivalent pro Seitenaufruf. Klingt nach nichts. Bei 10.000 Aufrufen im Monat sind das trotzdem rund 43 Kilogramm im Jahr – für eine einzige Seite5. Als gut optimiert gilt eine Website unter 0,5 Gramm pro Aufruf, die schlanksten Seiten der Welt liegen unter 0,1 Gramm6. Wholegrain Digital selbst hat die eigene Seite auf 0,083 Gramm gedrückt: native Systemschriften statt eingebetteter Fonts, SVG-Icons statt Bilddateien, kein Skript, das nicht gebraucht wird7.

Am stärksten wirken zwei Hebel: das Gewicht der Seite in Bytes und der Anteil wiederkehrender Besucher, deren Browser Inhalte bereits gecacht hat8. Bildschirmgröße oder Gerätetyp spielen für eine gewöhnliche Text- und Bild-Website eine kleinere Rolle, anders als etwa bei Videostreaming.

Was das für den Bau einer Website bedeutet

Vieles davon deckt sich mit dem, was wir aus Performance-Gründen ohnehin empfehlen – dazu haben wir in unserem Beitrag zu Page Speed geschrieben. Konkret heißt das: Bilder als WebP oder AVIF statt als PNG, weil das bei gleicher Qualität oft 30 bis 50 Prozent weniger Daten bedeutet. Videos, die erst starten, wenn jemand draufklickt, nicht automatisch beim Laden. Systemschriften wie die des Betriebssystems statt vier Gewichtungen einer teuren Google-Font, die extra nachgeladen werden muss. Jede dieser Entscheidungen kostet nichts zusätzlich in der Entwicklung – sie muss nur getroffen werden, statt sich für die bequeme Standardeinstellung zu entscheiden.

Unsere Haltung dazu ist unspektakulär: Wir bauen Seiten grundsätzlich schlank, nicht weil ein Kunde explizit „nachhaltig“ gebucht hat, sondern weil eine überladene Seite ohnehin langsamer, schlechter zu warten und schwerer zu finden ist. Green Web Design ist bei uns kein Zusatzpaket. Es ist ein Nebenprodukt von Websites, die wir sowieso richtig bauen würden.

Ein Hebel liegt komplett außerhalb von Design und Code: der Serverstandort. Ob ein Hosting-Anbieter mit Ökostrom arbeitet oder mit dem üblichen Strommix, verändert die CO2-Bilanz einer Website sofort, ohne dass eine einzige Zeile Code angefasst wird. Die Green Web Foundation führt dazu ein öffentliches Verzeichnis geprüfter grüner Hosting-Anbieter – ein Fünf-Minuten-Check, bevor man sich für einen Anbieter entscheidet.

Und dann gibt es noch den unbequemsten Hebel: einfach weniger einbauen. Nicht jedes Bildkarussell, nicht jedes Video, das automatisch startet, nicht jede Schriftart in vier Gewichtungen von einem Drittanbieter-Server braucht es wirklich. Kein technischer Trick schlägt den Effekt, ein Element gar nicht erst zu laden.

Fazit

Green Web Design rettet nicht das Klima, und es ist auch kein Feigenblatt. Es ist die schlichte Feststellung, dass jede Website einen physischen Fußabdruck hat, den man nur nicht sieht – und dass die Maßnahmen dagegen fast immer dieselben sind, die eine Seite ohnehin besser machen. Testet eure Seite unter websitecarbon.com. Wenn die Zahl schlechter ist, als ihr dachtet: Das ist kein Grund für ein Nachhaltigkeitszertifikat, sondern ein Grund, mit uns über eine leichtere Website zu sprechen („Zwinker“).

Quellen

  1. Freitag, C. et al. (2021). The real climate and transformative impact of ICT: A critique of estimates, trends, and regulations. Patterns, veröffentlicht via PMC. Schätzung von 1,8–3,9 % der globalen Treibhausgasemissionen für den ICT-Sektor. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8441580/ ↩︎
  2. Internationale Energieagentur (IEA, 2023), zitiert nach einer Übersichtsarbeit zum ökologischen Fußabdruck von ICT und KI. Anteil des Flugverkehrs an den energiebedingten CO2-Emissionen. https://arxiv.org/pdf/2601.06174 ↩︎
  3. Ericsson (2020). A quick guide to your digital carbon footprint. Zum irreführenden Vergleich zwischen ICT- und Luftfahrt-Emissionen angesichts stark unterschiedlicher Nutzerzahlen. https://www.ericsson.com/en/reports-and-papers/industrylab/reports/a-quick-guide-to-your-digital-carbon-footprint ↩︎
  4. Sustainable Web Design (2023). Estimating Digital Emissions – Methodology v4. Von der Green Web Foundation gepflegtes Berechnungsmodell für den CO2-Fußabdruck von Websites. https://sustainablewebdesign.org/estimating-digital-emissions/ ↩︎
  5. Website Carbon Calculator (2026), Wholegrain Digital / Green Web Foundation. Globaler Durchschnittswert von 0,36 g CO2e pro Seitenaufruf und Hochrechnung auf Jahresemissionen. https://www.websitecarbon.com/ ↩︎
  6. OYNK (2026). Sustainable Web Design: The Complete UK Guide. Einordnung von Richtwerten nach dem Sustainable-Web-Design-Modell (gut: unter 0,5 g; sehr schlank: unter 0,1 g). https://oynk.co.uk/sustainable-web-design ↩︎
  7. Wholegrain Digital (2024). The world’s first carbon calculator for websites. Zu den eigenen Optimierungsmaßnahmen (native Fonts, SVG-Icons, Verzicht auf unnötige Skripte) und dem Ergebnis von 0,083 g CO2 pro Seitenaufruf. https://www.wholegraindigital.com/blog/website-carbon-calculator/ ↩︎
  8. Green Calculus (2026). Website & Digital Carbon Footprint Methodology. Zu den zwei stärksten Stellhebeln – Seitengewicht und Caching-Quote wiederkehrender Besucher. https://greencalculus.com/methodology/website-digital-carbon-methodology/ ↩︎

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Jörg Kucinski ist Metallbauer – kein Webdesigner. Er hatte eine halbfertige Seite, kein Logo und keinen klaren Online-Auftritt. Wir haben alles fertiggestellt und in eine Seite verwandelt, die seinen Betrieb so darstellt wie er arbeitet: sauber, direkt, verlässlich.

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